Willkommen in Leipzig, Conny Lachsack!

Manchmal wird es auch den anderen Kindebuchfiguren zu bunt, dann kommen auch sie aus ihren Geschichten hüpft und wollen draußen was erleben. Nach dem Pinselflitzer, dem Eichhörnchen aus dem Clara-Zetkin-Park, taucht sie plötzlich in Leipzig auf: Conny Lachsack, die Jutebeutelratte aus Connewitz.

Conny Lachsack

Klar, dass Herr Pinselflitzer schnell Wind davon bekommt, schließlich wünscht er sich einen Begleiter bei seiner Abenteuersuche in Leipzig. Die beiden verabreden sich zum ersten Date. Mit Motto!: „maritim“. Verrückt, die zwei.

Date maritim

Erstes Date: Bootsverleih Wildpark mit Motto „maritim“

Die Dinge entwickeln sich gut und die beiden Turteltauben verbringen ihren ersten gemeinsamen Kinoabend in der „Kinobar Prager Frühling“. 🌺 😍

Prager Fruehling

Kinobar Prager Frühling in der Bernhard-Göring-Straße 152, Leipzig-Connewitz

Und bevor der Sommer in die Zielgerade einläuft, tanken sie noch einmal Sonne im Stadtgarten Connewitz, einer wundervollen kleinen Stadtoase, und schmieden dabei große Zukunftspläne.

Stadtgarten Connewitz_paul_Leipzig

Stadtgarten Connewitz, Kohrener Str. / Burgstädter Str.

Der Septemberanfang in Leipzig ist ziemlich unbeständig. Die Sonne tritt zwar kräftig in die Pedale, wird aber immer wieder von Regenschauern eingeholt. „Wohin nur bei diesem Wetter?“, fragt Herr Pinselflitzer. „Ich hab’s!“, ruft Conny. „Lass uns ins Kindermuseum Lipsikus im Böttchergäßchen gehen! In der Ausstellung ‚Kinder machen Messe‘ erfährt man nicht nur, wie es früher in der Stadt zuging, es gibt auch jede Menge zu entdecken und auszuprobieren. Komm mit auf eine kleine Reise in die Vergangenheit.“ „Okay“, Herr Pinselflitzer ist dabei.

Kindermuseum Innenstadt

Kindermuseum des Stadtgeschichtlichen Museums im Haus Böttchergäßchen, Böttchergäßchen 3, Leipzig-Zentrum

Fototautomat Leipzig, Spaß, Familie, Freunde, Kinder in Leipzig, Willkommen in Leipzig, Paul!

Die fabelhafte Welt der Fotoautomaten

Vor der Moritzbastei in Leipzig gibt es einen Fotoautomaten. Ein handfestes Selfie rutscht nach ein paar Minuten in den kleinen Ausgabeschlitz der Maschine und die ungeschönte, filterlose Wahrheit tritt zutage. Hm, so sieht das Ergebnis also aus. Irgendwie na ja. Der Hals hat es nicht mehr aufs Bild geschafft, dafür ist über dem Kopf noch eine Handbreit Spielraum. Geht schon. Nimm es mit, und am besten mit Humor.

Fotoautomaten sind Kult und ein Platz für Spaßvögel. Was für eine Freude, sich mit Gleichgesinnten auf den kleinen Hocker zu quetschen und in der Kabine mal ordentlich herumzualbern. Grimassen schneiden, Zähne und Zunge zeigen, Kussmund formen, mal ausgiebig schielen, die Stirn runzeln und in Falten ziehen, das Victory-Zeichen oder Handherzen machen – alles ist erlaubt. Zumindest fast. Die kleinen Aufnahmen üben einen besonderen Reiz aus, vielleicht weil sie zwar ein gestelltes, aber gleichzeitig authentisches Bild zeichnen – der Spaß ist echt. Also, nüscht wie los, Vorhang zu, Faxen machen und Grimassen schneiden. Funktioniert übrigens auch wunderbar mit Kindern. 😜

Hier findet man Fotoautomaten in Leipzig, außerdem im Westwerk auf der Karl-Heine-Straße.

Photoautomat_willkomen_in_leipzig_paul

Es geht um die Kinder.

Worüber reden die denn hier? Ein Gipfeltreffen der Giraffen? Oder halten die Langhälse nur Smalltalk?

Vielleicht gibt es etwas Spannendes zu sehen. Die Giraffen haben ja alles gut im Blick und wissen meistens, wer oder was tierisch so los ist im Zoo. Hecken die was aus? „Pst, hey Freunde, habt ihr es schon gehört?“, fragt der große Gefleckte hier rechts im Bild. „Kommt mal näher. Ja, noch ein bisschen.“ Der farbenfrohe Giraffen-Vater auf der linken Bildhälfte, der aussieht wie gemalt, streckt seinen Hals noch weiter nach vorn. „Gibt’s was Neues bei Euch?“

„Vom 30. Juni bis 31. Juli 2017 ist im Zoo Leipzig ein Theaterstück zu sehen!: ‚Die Konferenz der Tiere‘ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner. Wie lange haben wir darauf gewartet, dass dieses Buch hier mal zur Sprache kommt!“, freut sich der große Gefleckte. Verständlich, denn die schlauen Köpfe darin sind die Tiere. Sie wissen, worum es den Menschen wirklich gehen sollte: um die Kinder.

„Eines schönen Tages wurde es den Tieren zu dumm“, so beginnt Kästners denkwürdige Geschichte. Die Menschen sind „schreckliche Leute“, meinen die Tiere und berufen eine internationale Konferenz ein. Sie finden nämlich, dass die Erwachsenen mit ihrer Erziehung und den großen Zukunftsplänen für die Kinder das Wichtigste völlig vergessen: dafür zu sorgen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen können. „So nette Kinder! Und immer müssen sie die Kriege und die Revolutionen und Streiks mitmachen, und dann sagen die Großen noch: sie hätten alles nur getan, damit es den Kindern später einmal besser ginge. So eine Frechheit, was?“, schimpft Oskar der Elefant. Und wie recht er hat.

Doch dann fällt Oskar etwas ein: „Die Menschen machen in einem fort Konferenzen, ohne etwas zu erreichen, und so ist meine Idee, dass wir auch – eine Konferenz abhalten!“ Und damit meint Oskar natürlich eine, die tatsächlich etwas bewirkt.

Er und seine Freunde: der Löwe Alois, die Giraffe Leopold und ein Eisbär mit dem schönen Namen Paul beginnen sofort mit der Organisation der großen Veranstaltung, die im Hochhaus der Tiere stattfinden soll. Vertreter aller Arten, die mit den kurzen und langen Wegen, Hälsen, Beinen und Ohren begeben sich auf die Reise. Sogar die Tiere aus den Bilderbüchern folgen der Einladung und hüpfen aus ihren Geschichten und lassen diese zum großen Erstaunen der Menschen einfach mal so stehen.

Alle sind da, als die Versammlung feierlich eröffnet wird. In einer bewegenden Ansprache verkündet der Eisbär Paul: „Wir verlangen einstimmig, dass es nie wieder Krieg, Not und Revolution geben darf! Sie müssen aufhören! Denn sie können aufhören! Und deshalb sollen sie aufhören!“

Denn: „Es geht um die Kinder!“

„An dieser Stelle brach im Saal ungeheurer Jubel los. Man stampfte mit den Hufen, schlug mit den Flügeln, klatschte mit den Flossen, klapperte mit den Schnäbeln, wieherte, krähte, zwitscherte, bellte, pfiff, röhrte, trompetete – es war toll!“

Die Menschen zum Friedenschließen zu bewegen, wird zur schwierigen Angelegenheit, wie man sich denken kann. Erst im dritten Anlauf und mit einer Maßnahme, die den Erwachsenen tatsächlich die Augen öffnet, schaffen es die Tiere: der Friedensvertrag wird unterzeichnet.

Das Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ erschien 1949 und hat an Aktualität nicht verloren. Kästner macht darin einen wichtigen Schritt: er stellt sich hinter die Kleinsten der Gesellschaft, hinter die, die für Krieg, Armut und Hunger am wenigsten können und am meisten darunter zu leiden haben. Von der „Trägheit des Herzens“ schreibt er und spricht sich damit gegen Ignoranz und Egoismus, gegen Wegschauen und Leugnen aus. Seine Geschichte ist ein klug in Worte gefasstes Plädoyer für Mitgefühl und eine „echte Erziehung“ und für das Erkennen der „echten“ Verantwortung für die Kleinsten, die die Welt noch mit großen Staunaugen sehen. Die Kinderschuhe, denen man meint, längst entwachsen zu sein, sollte man mal wieder rauskramen und auf den Prüfstand stellen. Vielleicht erinnert man sich bei genauer Betrachtung, wie schwierig das Laufen darin oftmals war und wie notwendig die Hand, die einem nach dem Hinfallen wieder aufgeholfen hat.

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie erwachsen, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“, sagte Kästner einmal.

In diesem Sinne sei „Die Konferenz der Tiere“ allen ans Herz gelegt, die sich ihren Wunder-vollen Kindskopf irgendwann haben waschen lassen und denen dabei die kleinen und großen Hirngespinste, die Seifenblasen und Luftschlösser, und der schöne Schalk im Nacken abhandenkamen.

„Du, das klingt gut, wir kommen mal zu Euch“, flüstert der farbenfrohe Giraffen-Vater von der linken Seite, der aussieht wie gemalt. „Und dann schauen wir uns das Theaterstück an“, sagt er und macht sich auf den Weg. Der große Gefleckte nickt und geht zur hohen Hecke, hinter die er noch nie eines seiner langen Beine gesetzt hat, und er lächelt so gut er es eben kann beim Anblick der vielen kleinen Zoo-Besucher, die ihn staunend beäugen.

Weitere Infos zum Theaterstück gibt es hier.

Konferenz_Seiten_Willkommen_in_Leipzig_Paul_mitte

„Die Konferenz der Tiere“, Erich Kästner, Cecilie Dressler Verlag Hamburg, 1990