Winter in Leipzig – Zeit für Klatsch & Tratsch

Wenn es richtig kalt ist da draußen, findet man Klatsch und Tratsch an der Könneritzbrücke. Das bedeutet nicht etwa, dass sich Leipziger Leute in die Kälte stellen, um Hinz und Kunz als dick und doof zu bezeichnen. Klatsch & Tratsch sind zwei Eiszapfen, die Paul bei seinem Ausflug durch Plagwitz kennenlernt. Die beiden hängen  unfreiwillig nebeneinander am Brückengeländer und streiten sich, was das Zeug hält.

„Was machst du hier, das ist mein Platz, geh zurück an deine Brücke!“, schimpft der eine Zapfen. „Ich kann nichts dafür, in diesem Winter bin ich auch hier gelandet“, antwortet der andere. Und schon kommt es zu einem handfesten Zapfenstreit.

Paul weiß erst gar nicht, wie ihm geschieht. „Was ist denn mit denen los?“ Doch dann hat er eine Idee…

„Zapfenstreit in Plagwitz“ ist unsere Wintergeschichte in „Willkommen in Leipzig, Paul!“. Sie erzählt nicht nur von zwei streitsüchtigen Eisklötzen, die langsam auftauen und warm miteinader werden, sie führt Paul auch von der Könneritzbrücke zum Unikatum Kindermuseum, lässt ihn das Eisenbahnmuseum kennenlernen und den großen Karl Heine.

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Ja, nein, vielleicht.

Ja, wirklich klasse. Eine tolle Aussicht hat man vom „Trojanischen Pferd“ aus auf dem Spielplatz am Fockeberg in der Leipziger Südvorstadt. „Ganz schön hoch. Und wie kommen wir jetzt wieder runter?“, fragt Conny Lachsack, die Jutebeutelratte aus Connewitz. „Über das Kletternetz“, ruft Herr Pinselflitzer und springt los. Schließlich will er noch die Röhrenrutsche, die Balancierstrecken und Reifenschaukeln ausprobieren. Conny setzt sich mit ihrem schweren Beutel lieber ein bisschen in den Sandkasten. Die beiden waren gerade auf dem 153 Meter hohen Fockeberg, und Conny braucht dringend eine kurze Verschnaufpause.

Trojanisches Pferd   13_Fockeberg_Ausschnitt_Pferd_Willkommen_in_Leipzig_Paul

Nein, der nicht, Herr Pinselflitzer!“ „Wieso, der ist so schön rot? Wie für mich gemacht!“ Pilzesammeln steht danach bei den beiden auf dem Programm und dafür haben sie sich den Colditzer Wald, etwa 40 Kilometer von Leipzig entfernt, ausgesucht. Hier findet man u.a. Birkenpilze, Steinpilze und Maronen, die roten hier sollte man natürlich lieber stehen lassen. 🍄 😉

Colditz_Wald_Paul_in_Leipzig

Vielleicht gehen wir mal zusammen in eine Ausstellung. Was meinst du, Conny?“, fragt Herr Pinselflitzer. „Schau mal, in deiner Geschichte wird eine tolle empfohlen“, freut er sich und hüpft von einem Bein aufs andere. Conny setzt den Jutebeutel ab und lässt sich auf einen Stuhl fallen. „Ja, das machen, wir. Oder ins Museum oder Kino oder Café oder Restaurant. Das wäre toll“, meint die Jutebeutelratte und schließt die Augen und dann hört man in der Stadtbibliothek Leipzig ein leises Schnarchen irgendwo in der Kinderbuchabteilung.

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Stadtbibliothek Leipzig, Wilhelm-Leuschner-Platz 10-11

Willkommen in Leipzig, Paul!

Sie machen ’ne Welle – und wir machen mit!

Endlich ist es so weit. Lange haben die beiden Eiszapfen Klatsch & Tratsch auf diese tolle Veranstaltung gewartet. Jetzt im Sommer können sie sich in flüssiger Form ja wieder frei bewegen und den Karl-Heine-Kanal unsicher machen. Herrlich muss das sein: durch die Plagwitzer Gegend zu schwimmen, sich in der Weißen Elster zu aalen.

Nun ist es nicht mehr lange hin bis zum Leipziger Entenrennen, für das sich die beiden im Winter verabredet haben. Klatsch und Tratsch tauchen also am 20. August gut gelaunt an der Sachsenbrücke auf, wenn dort rund 3000 Enten ins Rennen geschickt werden.

Uns findet man übrigens am 19. und 20. August im Stadtteilpark Plagwitz auf der Pirateninsel mit einer Mitmachaktion für kleine Seeräuber. Pauls Buch haben wir natürlich auch im Gepäck. Wir freuen uns auf Euch!

Willkommen in Leipzig, Paul!

 

AusFlug zur Zeppelinbrücke

Gestern setzten wir etwas in die Tat um, das schon sehr lange auf dem Plan stand. Immer wieder haben wir darüber gesprochen, hin und her überlegt, uns gefragt, ob es überhaupt möglich ist, welchen Kraftaufwand es bedeuten würde, welche Tageszeit dafür die beste wäre. Und wir stellten fest, je mehr wir darüber nachdenken, uns Sorgen machen, abwägen und zweifeln, desto schwieriger würde es werden, den Schritt zu machen.

Also haben wir es einfach getan: Wir breiteten die Arme ganz weit aus und sind losgeflogen. Unser Ziel: die Zeppelinbrücke. Da sich die Sonne gestern nur kurz blicken ließ, war der kleine Ausflug durch die Wolken sehr angenehm. Wir ruderten verträumt ins Blaue, durch die Milchschaumberge und schauten hinab auf die wunderschöne Stadt, das Zentrum, den Clara-Zetkin-Park. Leipzig gab sich zum Sonntag leise und beschwingt, unter uns radelte und spazierte man durch die Straßen. Als wir über den Richard-Wagner-Hain schwebten, nahmen wir uns Zeit und lauschten den Klängen des 15. Leipziger Hörspielsommers. Wie friedlich die Menschen dort unten aussahen. Sie saßen vergnügt beisammen und ließen sich ein bisschen berauschen von der wundervollen Atmosphäre. Kleine Kinder tapsten über die Wiese, ihre Eltern holten ihnen Eis und Brause am Imbiss-Wagen Zierlich Manierlich. Oberhalb der Treppen, etwas abseits der Gemütlichkeit zwischen angenehm leisen Lautsprechern, summten Bienen über farbenfrohen Beuten, und es schien, als tanzten sie zu der Ruhe, die in der Luft lag. Wir landeten am Palmengarten und trafen dort sogar auf Paul, der ein paar kleine Boote ins Elsterbecken setzte und auf die Reise schickte.

Als es anfing zu regnen, wachten wir auf. Wir klemmten die Picknick-Decke auf den Gepäckträger und radelten nach Hause. 😉

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Zeppelinbrücke Leipzig

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Hörspielsommer Leipzig 2017

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Imbiss-Wagen Zierlich Manierlich

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Willkommen in Leipzig, Paul!

Es geht um die Kinder.

Worüber reden die denn hier? Ein Gipfeltreffen der Giraffen? Oder halten die Langhälse nur Smalltalk?

Vielleicht gibt es etwas Spannendes zu sehen. Die Giraffen haben ja alles gut im Blick und wissen meistens, wer oder was tierisch so los ist im Zoo. Hecken die was aus? „Pst, hey Freunde, habt ihr es schon gehört?“, fragt der große Gefleckte hier rechts im Bild. „Kommt mal näher. Ja, noch ein bisschen.“ Der farbenfrohe Giraffen-Vater auf der linken Bildhälfte, der aussieht wie gemalt, streckt seinen Hals noch weiter nach vorn. „Gibt’s was Neues bei Euch?“

„Vom 30. Juni bis 31. Juli 2017 ist im Zoo Leipzig ein Theaterstück zu sehen!: ‚Die Konferenz der Tiere‘ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner. Wie lange haben wir darauf gewartet, dass dieses Buch hier mal zur Sprache kommt!“, freut sich der große Gefleckte. Verständlich, denn die schlauen Köpfe darin sind die Tiere. Sie wissen, worum es den Menschen wirklich gehen sollte: um die Kinder.

„Eines schönen Tages wurde es den Tieren zu dumm“, so beginnt Kästners denkwürdige Geschichte. Die Menschen sind „schreckliche Leute“, meinen die Tiere und berufen eine internationale Konferenz ein. Sie finden nämlich, dass die Erwachsenen mit ihrer Erziehung und den großen Zukunftsplänen für die Kinder das Wichtigste völlig vergessen: dafür zu sorgen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen können. „So nette Kinder! Und immer müssen sie die Kriege und die Revolutionen und Streiks mitmachen, und dann sagen die Großen noch: sie hätten alles nur getan, damit es den Kindern später einmal besser ginge. So eine Frechheit, was?“, schimpft Oskar der Elefant. Und wie recht er hat.

Doch dann fällt Oskar etwas ein: „Die Menschen machen in einem fort Konferenzen, ohne etwas zu erreichen, und so ist meine Idee, dass wir auch – eine Konferenz abhalten!“ Und damit meint Oskar natürlich eine, die tatsächlich etwas bewirkt.

Er und seine Freunde: der Löwe Alois, die Giraffe Leopold und ein Eisbär mit dem schönen Namen Paul beginnen sofort mit der Organisation der großen Veranstaltung, die im Hochhaus der Tiere stattfinden soll. Vertreter aller Arten, die mit den kurzen und langen Wegen, Hälsen, Beinen und Ohren begeben sich auf die Reise. Sogar die Tiere aus den Bilderbüchern folgen der Einladung und hüpfen aus ihren Geschichten und lassen diese zum großen Erstaunen der Menschen einfach mal so stehen.

Alle sind da, als die Versammlung feierlich eröffnet wird. In einer bewegenden Ansprache verkündet der Eisbär Paul: „Wir verlangen einstimmig, dass es nie wieder Krieg, Not und Revolution geben darf! Sie müssen aufhören! Denn sie können aufhören! Und deshalb sollen sie aufhören!“

Denn: „Es geht um die Kinder!“

„An dieser Stelle brach im Saal ungeheurer Jubel los. Man stampfte mit den Hufen, schlug mit den Flügeln, klatschte mit den Flossen, klapperte mit den Schnäbeln, wieherte, krähte, zwitscherte, bellte, pfiff, röhrte, trompetete – es war toll!“

Die Menschen zum Friedenschließen zu bewegen, wird zur schwierigen Angelegenheit, wie man sich denken kann. Erst im dritten Anlauf und mit einer Maßnahme, die den Erwachsenen tatsächlich die Augen öffnet, schaffen es die Tiere: der Friedensvertrag wird unterzeichnet.

Das Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ erschien 1949 und hat an Aktualität nicht verloren. Kästner macht darin einen wichtigen Schritt: er stellt sich hinter die Kleinsten der Gesellschaft, hinter die, die für Krieg, Armut und Hunger am wenigsten können und am meisten darunter zu leiden haben. Von der „Trägheit des Herzens“ schreibt er und spricht sich damit gegen Ignoranz und Egoismus, gegen Wegschauen und Leugnen aus. Seine Geschichte ist ein klug in Worte gefasstes Plädoyer für Mitgefühl und eine „echte Erziehung“ und für das Erkennen der „echten“ Verantwortung für die Kleinsten, die die Welt noch mit großen Staunaugen sehen. Die Kinderschuhe, denen man meint, längst entwachsen zu sein, sollte man mal wieder rauskramen und auf den Prüfstand stellen. Vielleicht erinnert man sich bei genauer Betrachtung, wie schwierig das Laufen darin oftmals war und wie notwendig die Hand, die einem nach dem Hinfallen wieder aufgeholfen hat.

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie erwachsen, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“, sagte Kästner einmal.

In diesem Sinne sei „Die Konferenz der Tiere“ allen ans Herz gelegt, die sich ihren Wunder-vollen Kindskopf irgendwann haben waschen lassen und denen dabei die kleinen und großen Hirngespinste, die Seifenblasen und Luftschlösser, und der schöne Schalk im Nacken abhandenkamen.

„Du, das klingt gut, wir kommen mal zu Euch“, flüstert der farbenfrohe Giraffen-Vater von der linken Seite, der aussieht wie gemalt. „Und dann schauen wir uns das Theaterstück an“, sagt er und macht sich auf den Weg. Der große Gefleckte nickt und geht zur hohen Hecke, hinter die er noch nie eines seiner langen Beine gesetzt hat, und er lächelt so gut er es eben kann beim Anblick der vielen kleinen Zoo-Besucher, die ihn staunend beäugen.

Weitere Infos zum Theaterstück gibt es hier.

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„Die Konferenz der Tiere“, Erich Kästner, Cecilie Dressler Verlag Hamburg, 1990

 

Donnerwemse und Rasseltier

Sommeranfang und Sommersonnenwende! Heute ist der längste Tag des Jahres. „Ich hab Zeit!“, ruft das Eichhörnchen Herr Pinselflitzer und setzt sich zu seiner heiß geliebten Sonnenuhr im Clara-Zetkin-Park auf eine Bank. Er streckt die Beine aus, träumt sich ein bisschen in das duftende Blütenmeer und zählt eine heitere Stunde nach der anderen.

Der Pinselflitzer hat keine Termine, keine Einkäufe, keine Verabredungen, keine Elterngespräche, er muss sich weder um einen platten Reifen kümmern noch um eine sorgsam ausgesucht aussehende Geburtstagskarte. Er muss nicht zur Post oder zum Bürgeramt. Er kann einfach nur hier sitzen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lassen.

Sommersonnenwende, so ein tolles Wort, denkt er und greift beherzt in eine Tüte Gummibärchen, die er am Kiosk „gefunden“ hat. Gleich drei Bärchen auf einmal lädt er sich unter die Nagezähnchen. SOMMERSONNENWENDE, hmm, was man daraus Schönes machen kann: „DOSENWONNE, DONNERWEMSE, WORDMENNO“, brabbelt er vor sich hin und schiebt sich die nächste Ladung Bär zwischen die Kiemen. Er kratzt sich zufrieden am Bauch und schenkt nun seine gesamte Aufmerksamkeit der kunterbunten Blumenpracht auf der Dahlienterrasse. Noch so ein wunderbares Wort! Herr Pinselflitzer schließt die Knopfaugen und lehnt sich zurück in seine Gedankenschaukel. Dann findet er auf der DAHLIENTERRASSE ein RASSELTIER mit SEILHAAREN. Warum nicht, er hat ja Zeit.

„So ein Quatsch“, ruft er plötzlich und hüpft von der Bank. „Es ist einfach zu heiß, viel zu heiß!“ Er muss jetzt unbedingt ans Wasser nach dem langen Sonnenbad. Die fast leere Gummibärchentüte rollt er zusammen und klemmt sie sich unter den kleinen Arm. Dann macht er sich auf den Weg zur Sachsenbrücke, die über das Leipziger Elsterflutbett führt. ELSTERFLUTBETT: BUTTERFEST, RESTETUBE, FRUSTBEET schießt es ihm durch den Kopf. „Oh Mann, jetzt aber schnell“, ruft er und flitzt davon, und ahnt noch nicht, dass er an der Sachsenbrücke gleich Paul kennenlernen wird. 😉

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Willkommen in Leipzig, Paul!