Doppelt hält besser

„Wäre es vermessen, wenn wirs mal abmachen, ums aufzumessen?“ „Geht bestimmt. Lass es uns einpacken und mitnehmen.“ „Meinst du? Wird es denn einer vermissen?“ „Anzunehmen.“ „Dann müssen wir auspacken und einstecken.“ „Lassen wir es lieber hier, hier auf der guten Alten Messe.“ „Abgemacht.“

Doppel_M_Leipzig

Das Doppel-M ist noch da. Die fast 30 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Aluverkleidung steht für „Mustermesse“ und schon seit 1965 fest am Eingang zum Alten Messegelände. Doppelt hält eben besser. Das denken sich auch Conny Lachsack und Herr Pinselflitzer. Damit der nächste Ausflug nicht zu einem in doppelter Hinsicht wird, nehmen sie sich vor, bei diesem Sturm nur noch zu zweit durch Leipzig zu schlendern. Sie machen sich einen Doppelknoten in ihre Taschentücher, damit sie es auch ja nicht vergessen.

 

Klein-Paris oder Klein-Ägypten?

Herr Pinselflitzer ist auf Abenteuerreise durch Leipzig. Im Stadtteil Connewitz hat er ein paar Straßen unsicher gemacht, jetzt möchte er nicht mehr nur was erleben, sondern auch etwas lernen über die Stadt. Also, wohin führt ihn sein nächster Weg? In die Uni natürlich. Er macht sich auf zum Neuen Augusteum, dem Hauptgebäude der Universität Leipzig. Das befindet sich am Augustusplatz und entstand von 2007 bis 2012. Im Innenbereich trifft er auch gleich auf drei kluge Köpfe, die an der Uni Leipzig studiert haben: Johann Wolfgang von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing und Gottfried Wilhelm Leibniz. Hm, Leibniz, überlegt er, war das nicht der mit dem Keks? Für ihn hat Herr Pinselflitzer sogar einen dabei. So richtig sehr freut sich der Gottfried zwar gar nicht darüber, nett ist er irgendwie trotzdem, und er kann prima zuhören.

Leibniz

Nach einem Besuch des Paulinums, der Universitätskirche mit Aula und Andachtsraum neben dem Neuen Augusteum, lässt er sich von der wunderschönen Gedächtniskirche in Leipzig-Schönefeld berichten. Also, auf in den Stadtteil Schönefeld. Was er hier nun absolut nicht erwartet hatte, ist eine Pyramide! Faszinierend. Wie kommt die denn hier her? Die Rittergutsbesitzerin Clara Hedwig von Eberstein ließ sie 1883 für sich und ihre Familie als Grabstätte errichten. Man kann sogar in den Innenraum. In der Gruft ist es so dunkel, dass der Pinselflitzer kaum die Pfote vor Augen erkennt.

Pyramide

Also schnell zurück in die Sonne. Ein Ausflug ins Blaue hinein wäre toll, zum Beispiel auf den Rosentalturm im nördlichen Auwald. Wie romantisch!🌹Und das, obwohl seine Entstehung alles andere war als das. Der 20 Meter hohe Scherbelberg wuchs nämlich von 1887 bis 1896 durch die Aufschüttung von Hausmüll. Aber was hat der Turm dann mit Rosen zu tun? Vielleicht trifft man hier oben jemanden, dem man gerne eine schenken möchte? Also hat der Pinselflitzer ziemlich hohe Erwartungen und eine rote Rose dabei, als er die 104 Stufen bis nach oben klettert. Eine wunderbare Aussicht bekommt man hier, keine Frage. Leider ist nur weit und breit niemand zu sehen, der die ganze Romantik mit ihm teilen könnte. Ein Freundin an meiner Seite, denkt Herr Pinselflitzer, wie schön wäre das. 💞

Rosentalturm_willkommen_in_Leipzig_paul_klein

Willkommen in Leipzig, Paul!

 

Sie machen ’ne Welle – und wir machen mit!

Endlich ist es so weit. Lange haben die beiden Eiszapfen Klatsch & Tratsch auf diese tolle Veranstaltung gewartet. Jetzt im Sommer können sie sich in flüssiger Form ja wieder frei bewegen und den Karl-Heine-Kanal unsicher machen. Herrlich muss das sein: durch die Plagwitzer Gegend zu schwimmen, sich in der Weißen Elster zu aalen.

Nun ist es nicht mehr lange hin bis zum Leipziger Entenrennen, für das sich die beiden im Winter verabredet haben. Klatsch und Tratsch tauchen also am 20. August gut gelaunt an der Sachsenbrücke auf, wenn dort rund 3000 Enten ins Rennen geschickt werden.

Uns findet man übrigens am 19. und 20. August im Stadtteilpark Plagwitz auf der Pirateninsel mit einer Mitmachaktion für kleine Seeräuber. Pauls Buch haben wir natürlich auch im Gepäck. Wir freuen uns auf Euch!

Willkommen in Leipzig, Paul!

 

Es geht um die Kinder.

Worüber reden die denn hier? Ein Gipfeltreffen der Giraffen? Oder halten die Langhälse nur Smalltalk?

Vielleicht gibt es etwas Spannendes zu sehen. Die Giraffen haben ja alles gut im Blick und wissen meistens, wer oder was tierisch so los ist im Zoo. Hecken die was aus? „Pst, hey Freunde, habt ihr es schon gehört?“, fragt der große Gefleckte hier rechts im Bild. „Kommt mal näher. Ja, noch ein bisschen.“ Der farbenfrohe Giraffen-Vater auf der linken Bildhälfte, der aussieht wie gemalt, streckt seinen Hals noch weiter nach vorn. „Gibt’s was Neues bei Euch?“

„Vom 30. Juni bis 31. Juli 2017 ist im Zoo Leipzig ein Theaterstück zu sehen!: ‚Die Konferenz der Tiere‘ nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Erich Kästner. Wie lange haben wir darauf gewartet, dass dieses Buch hier mal zur Sprache kommt!“, freut sich der große Gefleckte. Verständlich, denn die schlauen Köpfe darin sind die Tiere. Sie wissen, worum es den Menschen wirklich gehen sollte: um die Kinder.

„Eines schönen Tages wurde es den Tieren zu dumm“, so beginnt Kästners denkwürdige Geschichte. Die Menschen sind „schreckliche Leute“, meinen die Tiere und berufen eine internationale Konferenz ein. Sie finden nämlich, dass die Erwachsenen mit ihrer Erziehung und den großen Zukunftsplänen für die Kinder das Wichtigste völlig vergessen: dafür zu sorgen, dass ihre Kinder in Frieden aufwachsen können. „So nette Kinder! Und immer müssen sie die Kriege und die Revolutionen und Streiks mitmachen, und dann sagen die Großen noch: sie hätten alles nur getan, damit es den Kindern später einmal besser ginge. So eine Frechheit, was?“, schimpft Oskar der Elefant. Und wie recht er hat.

Doch dann fällt Oskar etwas ein: „Die Menschen machen in einem fort Konferenzen, ohne etwas zu erreichen, und so ist meine Idee, dass wir auch – eine Konferenz abhalten!“ Und damit meint Oskar natürlich eine, die tatsächlich etwas bewirkt.

Er und seine Freunde: der Löwe Alois, die Giraffe Leopold und ein Eisbär mit dem schönen Namen Paul beginnen sofort mit der Organisation der großen Veranstaltung, die im Hochhaus der Tiere stattfinden soll. Vertreter aller Arten, die mit den kurzen und langen Wegen, Hälsen, Beinen und Ohren begeben sich auf die Reise. Sogar die Tiere aus den Bilderbüchern folgen der Einladung und hüpfen aus ihren Geschichten und lassen diese zum großen Erstaunen der Menschen einfach mal so stehen.

Alle sind da, als die Versammlung feierlich eröffnet wird. In einer bewegenden Ansprache verkündet der Eisbär Paul: „Wir verlangen einstimmig, dass es nie wieder Krieg, Not und Revolution geben darf! Sie müssen aufhören! Denn sie können aufhören! Und deshalb sollen sie aufhören!“

Denn: „Es geht um die Kinder!“

„An dieser Stelle brach im Saal ungeheurer Jubel los. Man stampfte mit den Hufen, schlug mit den Flügeln, klatschte mit den Flossen, klapperte mit den Schnäbeln, wieherte, krähte, zwitscherte, bellte, pfiff, röhrte, trompetete – es war toll!“

Die Menschen zum Friedenschließen zu bewegen, wird zur schwierigen Angelegenheit, wie man sich denken kann. Erst im dritten Anlauf und mit einer Maßnahme, die den Erwachsenen tatsächlich die Augen öffnet, schaffen es die Tiere: der Friedensvertrag wird unterzeichnet.

Das Kinderbuch „Die Konferenz der Tiere“ erschien 1949 und hat an Aktualität nicht verloren. Kästner macht darin einen wichtigen Schritt: er stellt sich hinter die Kleinsten der Gesellschaft, hinter die, die für Krieg, Armut und Hunger am wenigsten können und am meisten darunter zu leiden haben. Von der „Trägheit des Herzens“ schreibt er und spricht sich damit gegen Ignoranz und Egoismus, gegen Wegschauen und Leugnen aus. Seine Geschichte ist ein klug in Worte gefasstes Plädoyer für Mitgefühl und eine „echte Erziehung“ und für das Erkennen der „echten“ Verantwortung für die Kleinsten, die die Welt noch mit großen Staunaugen sehen. Die Kinderschuhe, denen man meint, längst entwachsen zu sein, sollte man mal wieder rauskramen und auf den Prüfstand stellen. Vielleicht erinnert man sich bei genauer Betrachtung, wie schwierig das Laufen darin oftmals war und wie notwendig die Hand, die einem nach dem Hinfallen wieder aufgeholfen hat.

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie erwachsen, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch“, sagte Kästner einmal.

In diesem Sinne sei „Die Konferenz der Tiere“ allen ans Herz gelegt, die sich ihren Wunder-vollen Kindskopf irgendwann haben waschen lassen und denen dabei die kleinen und großen Hirngespinste, die Seifenblasen und Luftschlösser, und der schöne Schalk im Nacken abhandenkamen.

„Du, das klingt gut, wir kommen mal zu Euch“, flüstert der farbenfrohe Giraffen-Vater von der linken Seite, der aussieht wie gemalt. „Und dann schauen wir uns das Theaterstück an“, sagt er und macht sich auf den Weg. Der große Gefleckte nickt und geht zur hohen Hecke, hinter die er noch nie eines seiner langen Beine gesetzt hat, und er lächelt so gut er es eben kann beim Anblick der vielen kleinen Zoo-Besucher, die ihn staunend beäugen.

Weitere Infos zum Theaterstück gibt es hier.

Konferenz_Seiten_Willkommen_in_Leipzig_Paul_mitte

„Die Konferenz der Tiere“, Erich Kästner, Cecilie Dressler Verlag Hamburg, 1990

 

Paul im Kreuzer

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Theresa Held für ihre Rezension im aktuellen kreuzer – Das Leipzig Magazin. „Schreer erzählt die Begegnungen berührend und in einfacher Kindersprache, die wunderschönen und sehr detailverliebten Illustrationen von Anemone Kloos veranschaulichen die Geschichte…“ Ein schönes Kompliment!

Noch eine kleine Anmerkung zum Artikel: Paul erlebt seine Abenteuer zwar in anderen Stadtteilen, Tipps für Familien für die Stadtteile Reudnitz und Schönefeld findet man z.B. mit dem Familienerlebnisgarten und den „Springmäuschen“, dem Clown-Museum, der Kinder- und Jugendwerkstatt JoJo und dem Mariannenpark mit Schloss Schönefeld trotzdem in „Willkommen in Leipzig, Paul!“. 😉

Rezension Kreuzer Juni 2017_Auswahl1

Hier könnt ihr das Buch bestellen oder über den be.bra verlag